Kempô / Karate
Karate oder Kempô?
Kurzerklärung.
„Kempô“ bedeutet „Lehre der Faustkampftechnik“. Es ist die japanische Aussprache des chinesischen Schriftzeichen (Kanji) „Q´an Fa“ (Quanfa= Faustkampf).
Kempô ist eine alte Bezeichnung der Kampfstile auf der Inselgruppe Ryukyu, die heute nach ihrer Hauptinsel Okinawa bezeichnet wird. Jedes Dorf hatte eine eigene Stilrichtung und daher auch eine eigene Bezeichnung. In den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts wurden Kempô, Tode, Shuri-Te, Naha-Te und viele andere Namen der verschiedenen Faustkampfstile Japans in der Bezeichnung Karate vereinheitlicht.
Funakoshi Gishin (Rufname „Shotô“) hat in seinem Lebenswerk nicht nur seinen eigenen Stil „Haus des Shotô“ (Shotokan-Karate) sondern auch einige bis heutige gültige Regeln aufgestellt, die auch im Kun-Tai-Ko Kempô eine zentrale Rolle spielen.
Heute ist Karate ein Inbegriff für die sportliche, körperlich ertüchtigende Ausprägung der Kampfkünste, oft auch mit Wettkampfcharakter. Da Kun-Tai-Ko Kempô keinen vergleichenden Wettkampf vorsieht und die geistige und charakterliche Bildung, sprich schulische Ausprägung, einen hohen Stellenwert hat, wird die alte Bezeichnung des Kempô verwendet.
Kun-Tai-Ko Kempô ist ein System der persönlichkeitsbildenden Bewegungslehre und der Selbstverteidigung durch den direkten Kampf ohne Schusswaffen aber gegebenenfalls mit dem Einsatz von Klingen- und Schlagwaffen.
Durch das Training des Kempô als psychomotorisches Training und Atemübung verbunden mit dem Studium des Kyusho Jitsu entwickelt der Praktizierende die Fähigkeit, den Kampf ruhig und fokussiert in kurzer Zeit zu beenden.
Die verschiedenen Kata des Kempô wurden entworfen, um die Bewegungsmuster eines Kampfes als abstraktes und mehrschichtiges Lehrmodell für Nahkampftechniken, unter anderem das Jiu-Jitsu, darzustellen und so die Schüler langfristig in dieser Bewegungslehre zu schulen.
Die Techniken des Kun-Tai-Ko Kempô sind auf die direkte und schnelle Verteidigung ausgelegt. Das Ziel ist es, einen Kampf möglichst schnell zu beenden.
Das Bunkai, die Umsetzung der deutlich sichtbaren Selbstverteidigungstechniken in der Kata, erfolgt unter weniger körperlicher Kraft mit dem Ziel, das der eigene Körper bei der Ausführung bewusster wahrgenommen wird. Im späteren Verlauf der Übungszeit ändern sich die Interpretationen der Bewegungsabläufe aus den Kata und es werden gezielt die Nervenpunkte der traditionellen asiatischen Medizin angesprochen. Aus „Bunkai“ werden „Omote“, das Offensichtliche, und „Okuden“, das versteckte Wissen. Ein wesentliches Merkmal in der Unterscheidung zwischen Kun-Tai-Ko Kempô und den bekannten Karate-Stilen ist die nahezu völlige Abwesenheit von Blöcken. Die Dynamik der Kata hat andere Schwerpunkte.
Durch das langwierige Einüben und Studieren von Biomechanik, Anatomie und Nervendruckpunkten wird das Leistungsniveau des Studierenden auf eine reflektive und intuitive Ebene gebracht. Das Kun-Tai-Ko Kempô bedient sich im Wesen den natürlichen Abwehrreflexen.